Das spätere Fürstentum Birkenfeld war, bevor es im Jahr
1794 unter französische Verwaltung geriet, ein ,,zerstückeltes
Gebilde", aufgeteilt in verschiedene Herrschaften, wie z.B. Baden, Zweibrücken
und Oberstein.
Aufgrund dieser Zersplitterung fanden die Juden ihren Einzug in diese Territorien zu unterschiedlichsten Zeiten.
Die Rückläufigkeit des prozentualen Anteils der Juden lässt sich auch im Nahetal belegen. In Birkenfeld verringerte sich die Zahl um mehr als die Hälfte. Vor allem in Hoppstädten ist die Rückläufigkeit der jüdischen Einwohnerzahl deutlich zu erkennen:
Während 1846 die Juden ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachten, hatten sie 1930 nur noch einen prozentualen Anteil von 6,6 %.
Tabelle 1: Birkenfeld
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| 1900 2300 76 |
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| 1905 2300 60 |
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| 1910 2300 45 |
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| 1933 2850 37 |
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Tabelle 2: Hoppstädten
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181 |
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212 |
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80 |
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Tabelle 3: Baumholder
| Jahr | Juden |
| 1837 | 25 |
| 1871 | 42 |
| 1905
1925 |
37
29 |
| 1938 | 27 |
Juden in Idar-Oberstein
Der jüdische Bevölkerungsanteil
Der prozentuale Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung bewegte sich zwischen 0,5 und 4 %. Dasich die Bevölkerung in Idar-Oberstein von 1808 bis 1865 mehr als verdreifachte, die Judenbevölkerung aber nur geringfügig zunahm, musste der prozentuale Anteil immer geringer werden. Infolge der Auswanderungswelle um 1890 nahm die jüdische Bevölkerung auf 0,54 % ab, stabilisierte sich aber allmählich wieder und hatte so um 1905 ihren Durchschnitt von etwa 1 % erreicht. Infolge des Hitlerregimes kam es nach 1933 zu einer starken Dezimierung der jüdischen Bevölkerung. Nach 1943 waren - bedingt durch Verfolgung, Säuberung, Massenvernichtung und ,,Endlösung" - keine Juden mehr in Idar-Oberstein zu finden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Frau Levi als einzige Überlebende des KZs wieder nach Idar zurück.
In Idar-Oberstein sind heute noch vereinzelt Mitbürger jüdischer
Abstammung zu finden.
Auswanderungen aus dem Ort Oberstein von
1800 bis 1900
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Die jüdischen Friedhöfe
Den Juden war kein Landsitz erlaubt, doch bildete der Erwerb eines Grundstückes,
auf dem sie ihre Toten begraben konnten, eine Ausnahme. Im Birkenfelder
Land findet man fast bei jeder Ortschaft einen Judenfriedhof, der häufig
außerhalb der Wohngebiete liegt. Er wurde von den Juden stets gepflegt
und gut erhalten. Erst nach 1938 verwahrlosten die Friedhöfe. Die
alten Grabsteine, deren Inschrift oft durch Alters -
und
Witterungseinflüsse unlesbar geworden sind, blieben uns größten
Teils erhalten. Bei den Juden war es nämlich nicht üblich, die
Gräber einzuebnen. Die Mehrzahl dieser Grabmäler sind einfache
beschriftete Sandsteine, da man sich in den ärmeren Bevölkerungsschichten
keine besseren leisten konnte. Bis etwa 1815 wurden die Grabsteine hebräisch,
danach hebräisch und deutsch beschriftet. Nach der jüdischen
Friedhofsordnung mussten mindestens diese Zeichen angebracht sein:
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Die Bestattung der Toten war würdig, aber ohne Prunk: Jeder Jude, ob reich oder arm, wurde nach seinem Tod in ein leinenes Sterbegewand gehüllt und in einen einfachen Holzsarg gelegt.
Der Obersteiner Friedhof, auf dem auch Idarer und Sensweilerer Juden beigesetzt wurden - beide Orte hatten keinen eigenen Friedhof-, liegt seit Bestehen der Gemeinde in der Seitzenbach. 1820 wurde er erweitert, da Hayum Herz, der damalige Vorsteher der Gemeinde Land schenkte. Nach 1945 wurden die Grabsteine auf dem alten Friedhofs-teil in den neuen überführt und an dessen Mauer befestigt. Man findet auf diesen 256 qm großen Friedhof insgesamt 110 Grabsteine (72 aus dem neuen und 33 aus dem alten Friedhofsteil) aus den Jahren 1859 (Sophie Hertz) bis 1940 (Willi Emanuel). Altere Grabinschriften sind unlesbar geworden .
Der Kirchenbollenbacher Judenfriedhof lag früher bei den Judenfichten auf dem Berg links des Weges nach Dickesbach. Grabfelder sind dort nicht mehr zu erkennen. In Nahbollenbach sind nur wenige Judengräber aus den Jahren 1910 bis 1933 erhalten geblieben. Auf dem alten und gepflegten Teil des Hoppstädter Friedhofs sind noch 168 Grabsteine sichtbar. Er wurde von den Gemeinden Hoppstädten, Baumholder, Birkenfeld und wahrscheinlich auch von Gimbweiler und Nohfelden benutzt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er geschändet: Zertrümmerte Grabtafeln und beschädigte oder fehlende Grabsteine zeugen heute noch davon. Erst nach 1946 wurde der verwahrloste Friedhof wieder hergerichtet.
Zusammenfassende Betrachtung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Raum Oberstein vom Jahr 1602 bis zum Jahr 1943 durchgehend Juden gelebt haben. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung war allerdings sehr gering. Im Jahr 1910 war der Anteil der jüdischen Bevölkerung mit 1,17 % (192 Juden) am stärksten. Das Verhältnis der Obersteiner und Idarer Christen zu ihren jüdischen Mitbürgern ist, im Mittelalter wie in der Neuzeit, typisch zu nennen. Vor ihrer Emanzipation bildeten die Juden - wie überall in Deutschland - auch hier eine geschlossene Gruppe innerhalb der Gesellschaft, die eigene Bräuche hatte, in eigenen Straßen wohnte, gekennzeichnete Kleidung trug und anderen Gesetzen unterstand. Da sich die aus Jahrhunderten erwachsene Isolation der Juden, die Hassgefühle und die tiefverwurzelten Ressentiments der Christen gegen sie nicht einfach durch ein Etikett aufheben ließen, erlangten die Juden auch in Oberstein und Idar nur langsam Recht und Anerkennung. Allerdings ging - bedingt durch die liberale Regierung in Oldenburg - die Entwicklung der jüdischen Emanzipation im Birkenfelder Land sichtlich schneller vor sich als in anderen Gegenden. Die Trennung zwischen Christen und Juden konnte jedoch nicht völlig überwunden werden. Dies ist alles schon durch ihre unterschiedliche Religion und die daraus resultierenden Bräuche bedingt. So fand Hitler 1933 in der Bevölkerung eine Grundlage vor, auf der sich die bereits begonnene christliche Toleranz gegenüber den Juden durch nationalsozialistische Propaganda in erneuten Hass ummünzen ließ. Zu Ausschreitungen kam es jedoch erst, nachdem dies von der neuen Regierung erlaubt und auch gewünscht war. Vermögende Juden in Idar-Oberstein - es waren meist Edelsteinhändler - gelang es, sich vor dem Nazi-Terror ins Ausland zu retten. Die meisten anderen aus der ärmeren Bevölkerungsschicht wurden deportiert. Heute leben in Idar-Oberstein nur noch wenige Bürger jüdischer Abstammung.
Liste einiger Juden in Idar-Oberstein vor 1933
Familie Wolff, Karl (Schlossberg, Villa Wolff) geb. ca. 1885
Edelsteinhändler (Fa. Elias Wolff)
Frau Wolff, geb. ca. 1889
Sohn Wolff, Herbert, geb.ca. 1921
Alteingesessene Familie.
Karl tätig in vielen Vereinen, deutsch national. Haus 1939 Novemberpogrom demoliert.
Karl und Ehefrau 1941 deportiert nach Polen. Herbert Arzt in den USA, emigrierte 1938.
Familie war sehr vermögend.
Familie Weingarten, Edelsteinhändler geb. ca.1870
(Haus jetzt Finanzamt?)
Familie war sehr vermögend, hatte eine Tochter. Über das Schicksal der Familie nach 1937
ist nichts bekannt.
Synagoge Birkenfeld
Am 12.05.1938 wurde die Synagoge zum Preis von 3000 RM an den ,,Kreiskommunalverband‘ verkauft, obwohl die eigentliche Wertschätzung des Landratsamtes 4100 RM betrug. Die Synagoge war schon längere Zeit nicht mehr als Gotteshaus genutzt worden, da nur noch wenige jüdische Einwohner in Birkenfeld lebten.
Das Gebäude sollte von dem Kreiskommunalverband als Aktenraum für
das Landratsamt umgebaut werden. Im Februar 39 wurde das Grundstück,
dessen Größe 5,83 ar betrug, samt Gebäude an die staatliche
Forstverwaltung verkauft. Die Synagoge wurde am 21.03.39 abgerissen und
an ihrer Stelle das Forstamt erbaut. Dort findet man heute einen Gedenkstein
mit der Aufschrift:
Zum Gedenken und zur Mahnung
Hier stand von 1862 bis zu den
Jahren des Nazi-Terrors die
Synagoge
der jüdischen Mitbürger der
Stadt Birkenfeld 1938
09. Nov. 1988
Jüdische Friedhöfe in Birkenfeld, Hoppstädten und Sötern
Nach der 11. Durchführungsverordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25.11.1941 waren auch die jüdischen Friedhöfe aus dem Deutschen Reich verfallen erklärt worden. Das Finanzamt in Birkenfeld übernahm deren Verwaltung. In Hoppstädten war das Birkenfelder Finanzamt als Eigentümer des jüdischen Friedhofs eingetragen. Im Jahre 1942 verkaufte das Finanzamt dem Steinhauer M. gegen Zahlung von 1000 RM die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof
Hoppstädten
Das ehemalige Schulgebäude in Hoppstädten der jüdischen
Gemeinde war durch die 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz 1941
zugunsten des Reiches eingezogen und durch das Finanzamt Birkenfeld verwaltet
worden. Im Jahr 1950 wurde der Wert des Grundstücks zum Zeitpunkt
des Einzugs mit 16500 RM ermittelt. Die Inneneinrichtung der Synagoge in
Hoppstädten war während der Novemberausschreitungen 1938 total
zerstört worden. Während des Krieges diente sie als Lager für
französische Kriegsgefangene. Im Jahre 1942 wurde sie von einem Privatmann
für 3000 RM gekauft. Die am 07.08.1942 vorgenommene Schätzung
belief sich ,,vor Kriegsschaden" auf 13000 RM.
Im Jahr 1950 wurde der Wert des Gebäudes auf 8000 DM geschätzt.
Durch Gerichtsurteile wurde eine nicht bekannte Ausgleichszahlung festgesetzt,
die Erwerberin blieb im Besitz des Eigentums. Diese Feststellung geht aus
einer zurückgezogenen Klageschrift der ,,Jewish Trust Cooperation"
hervor.
Jüdische Geschäfte und Fabriken
Die wirtschaftlichen Tätigkeiten der jüdischen Bevölkerung waren in den Städten an der Nahe - Idar-Oberstein, Kirn, Sobernheim, Bad Kreuznach - besonders ausgeprägt. In den Dörfern handelte es sich überwiegend um Kolonialwarengeschäfte, Metzgereien, Handel mit Landprodukten und Viehhandel.
Baumholder
Herr Oppenheimer hatte in 4ojähriger Arbeit ein Geschäft aufgebaut,
das einen jährlichen Reingewinn von 30000 RM abwarf. Am 18.09.1935
verkaufte er das Geschäft samt Warenlager und Einrichtungsgegenständen
und sein Wohnhaus für
150000 RM.
Birkenfeld
Das Grundstück der Familie Mengel war am 11.02.1936 für 14000 RM, die Einrichtung und das Mobiliar für 3500 RM verkauft worden. Die Familie Mengel blieb bis zu ihrer Ausreise Ende April 1936 in dem Haus wohnen. Es soll bestes Einvernehmen bestanden haben.
Hoppstädten
Herr Hermann Kronenberger war seit dem 01.05.1927 Bezirksvertreter der Gasion AG, Verkaufsabteilung Frankfurt/Main und erhielt zu diesem Zwecke ein eigenes Tanklager in Hoppstädten. Schon zu Beginn der NS-Herrschaft wurde Kronenberger festgenommen und mehrere Monate in sogenannter Schutzhaft gehalten. Man versuchte mit allen Mitteln die Ausübung seines Geschäftes zu verhindern.
Juden in der Zeit vor 1933
Mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. wurde den Juden der religiöse und geistliche Mittelpunkt genommen. Die Zerstreuung in die Länder des Mittelmeers und später in das übrige Europa begann. Im Gefolge der Römer kamen die ersten Juden an den Rhein.
Als im Jahre 391 im Römischen Reich das Christentum zur Staatsreligion erklärt wurde, bekämpften die Christen die jüdische Religion. Mit wechselnder Intensität wurden in den folgenden Jahrhunderten die Juden als ,,Christenfeinde" beschuldigt und verfolgt.
Judenverfolgung im Mittelalter
Im Verlauf des 1. Kreuzzuges (1096) setzten die ersten umfassenden Gewalttaten gegen die Juden ein. Als ,,Christusmörder" gebrandmarkt, zählten sie zu den Ungläubigen. Die Synagogengemeinden in Worms und Speyer gehörten zu den ältesten und bedeutendsten Zentren jüdischen Glaubens und jüdischer Kultur in Deutschland. Gegen diese aufblühenden Gemeinden kam es zu schweren Ausschreitungen.
Veränderungen währenddes Übergangs von der Weimarer Republik zum 3. Reich
Das Verhältnis des Staates zurjüdischen Religionsgesellschaft in Birkenfeld
Das Vertrauen in den Staat und das Leben unter den Fittichen staatlicher Ordnung war bei dem jüdischen Landgemeinderat im Landesteil Birkenfeld so stark ausgeprägt, dass die Weimarer Verfassung bedingte Trennung von Kirche und Staat nicht gerne gesehen wurde. Dies geht deutlich aus den Niederschriften hervor, die über die Beratungen des Gesetzes zur ,,Berechtigung der Jüdischen Religionsgesellschaft im Landesteil Birkenfeld zur Erhebung von Steuern" angefertigt wurden. Dieses Gesetz war aufgrund der Weimarer Verfassung notwendig geworden, um den Rechtsstatus der jüdischen Landesgemeinde festzuschreiben und gleichzeitig die Finanzierung zu regeln.
Regierungspräsident Dörr leitete den Wunsch des Landgemeinderats weiter an die Regierung in Oldenburg und vermerkte dazu: ,,Die Birkenfelder Juden scheuen die nach der Reichsverfassung vorgesehene Trennung von Staat und Kirche. Sie haben immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass sie sich unter den Fittichen des Staates wohlgefühlt und weiterhin ,bevormundet‘ werden wollen."
Diese Äußerungen und weitere Auslassungen dazu zeigen deutlich, dass während der Weimarer Republik die Beziehung zwischen der jüdischen Religionsgemeinde und dem Staat völlig intakt waren und keine Wünsche hinsichtig einer Änderung bestanden.
Der Landrabbiner im Landesteil Birkenfeld
Für die Außenstehenden sei in Erinnerung gerufen, dass auch in der Weimarer Republik der heutige Kreis Birkenfeld als Landesteil Birkenfeld zum Land Oldenburg gehörte. Der Landrabbiner hatte seinen Sitz nicht in Birkenfeld, sondern in Hoppstädten. Am 30. April 1920 tagten die Vorsteher und Besitzer der Synagogengemeinderäte aus Sötern, Bosen, Oberstein, Hoppstädten, Neunkirchen, Idar und drei Teilnehmer aus Birkenfeld.
Gegenstand der Verhandlung war: Festsetzung des Diensteinkommens und des Wohnsitzes des nächsten Landrabbiners sowie Bestimmung der Verpflichtung des Landrabbiners zur Abhaltung des Gottesdienstes in den Synagogen und zu anderen dienstlichen Handlungen.
Als Wohnsitz des neuzuwählenden Landrabbiners wurde Hoppstädten beibehalten. Der Synagogengemeinderat wiederholte ausdrücklich seine bisher übernommene Verpflichtung, die Rabbinatswohnung in Hoppstädten auf Kosten der Lokalkassen gehörig in Stand zu halten, solange der Landrabbiner seinen Wohnsitz in Hoppstädten habe.
Das Diensteinkommen des Landrabbiners von insgesamt 6000 RM jährlich war etwa zu einem Viertel aus der Landeskasse zu zahlen, war also Staatsgehalt und beinhaltete auch die Vergütung für nebenamtlichen Unterricht am Gymnasium. Die übrigen drei Viertel waren aus der Rabbinatskasse zu zahlen.
Rabbiner= 1. Geistlicher der
jüdischen Gemeinde
2. Lehrer der jüdischen Gesetze und der jüdischen Religion
Machtergreifung durch die NSDAP - Erste Terrormaßnahmen
Die Rizinus-Aktion in Birkenfeld
In Idar-Oberstein und Birkenfeld drangsalierten die neuen Machthabender
ihre Opfer durch Verabreichung von Rizinusöl. Dies geschah ganz "legal"
die Polizei war zuvor angewiesen worden, nicht einzuschreiten.
Die Befehle dazu mussten von dem obersten Polizeichef im Kreis, dem
Kreiskommissar (Landrat) und Kreisleiter Herbert Wild erteilt worden sein.
Auf diese Weise sollten die Juden und die ehemaligen Angehörigen
anderer Parteien im nachhinein getroffen werden. Der politische Terror
am Ende der Weimarer Republik wurde so ungestraft und weitgehend unter
den Augen der Bürger fortgesetzt. Ein Zeichen für die Verrohung
der politischen Sitten und zugleich eine Erklärung für die Tatsache,
dass niemand aufmuckte, als dieser Terror, nachdem der Widerstand der Andersdenkenden
fast gänzlich gebrochen war, sich voll gegen die Juden richtete.
Bedingt durch die historische Entwicklung blieb die wirtschaftliche Betätigung der Juden eingeschränkt. Im wesentlichen waren sie in vier Berufsgruppen tätig: im Wareneinzelhandel, im Vieh- und Landproduktenhandel, in den freien Berufen und im Bankwesen. Es gab aber auch Handwerker und Arbeiter.
Bald nach der Machtübernahme begann der Angriff auf die wirtschaftliche Existenz der Juden. Bei der Aktion am 01. April 1933 waren alle jüdischen Geschäfte vom Einmannbetrieb bis zum Kaufhaus betroffen. Während in den Städten dem Aufruf zum Boykott willig gefolgt wurde, blieben die ,,Kolonialwarengeschäfte" in den Dörfern noch unbehelligt. Auch die Viehhändler konnten noch einige Jahre ihren Geschäften nachgehen.
Von dem ,,Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" waren zunächst nur Berufsbeamte betroffen, es folgten aber bald Berufsverbote für Juristen, Hochschullehrer, Mediziner und andere. Nach Aufzehrung der Ersparnisse stellte sich wirtschaftliche Not ein.
Im Wirtschaftsrecht sollten die für alle Staatsbürger geltenden Grundsätze vorläufig auch für Juden angewandt werden. In einem Erlass des Reichsministers der Justiz vom 14. März 1936 an den Oberlandgerichtspräsidenten in Köln wurde auf die Möglichkeit des Grundstückserwerbs durch Juden hingewiesen:
,,Die Nürnberger Gesetzgebung hat die Judenfrage nur in staats- und eherechtlicher Hinsicht geordnet. Das Wirtschaftsrecht der Juden ist vorläufig gesetzlich noch nicht geregelt ... Die wirtschaftliche Betätigung der Juden richtet sich allein nach den bestehenden Gesetzen. Da diese eine Beschränkung beim Erwerb von Grundeigentum durch Juden nicht vorsehen, ist keine Rechtsgrundlage vorhanden, die Veräußerung eines Grundstückes als verboten oder nichtig anzusehen, weil der Erwerber Jude ist. Die Land- und Amtsgerichte und die Notare Ihres Bezirkes ersuche ich zu benachrichtigen."
Bis zum Jahre 1937 blieben die in der freien Wirtschaft tätigen Juden von den wirtschaftlichen Sanktionen weitgehend verschont. Dies geschah aus reinem Zweckdenken. Zur Erfüllung des Vierjahresplanes und zur Ankurbelung der Kriegsrüstung wollte man auf jüdische Wirtschaftsbetriebe und jüdisches Kapital zunächst verzichten. Die schon frühzeitig angestrebte Arisierung wurde vom Reichswirtschaftsminister Schacht verhindert. Erst nach seiner Beurlaubung (05.09.1937) und Entlassung (27.11.1937) erfolgte die eigentliche Wende.
Der neue Reichswirtschaftminister Walther Funk unternahm alles, um die
Juden aus der Wirtschaft zu verdrängen und ihre Enteignung voranzutreiben.
Mit einer Verordnung des Beauftragten für den Vierjahresplan,
Hermann Göring, vom 26.04.1938 wurde der Zugriff auf jüdische
Vermögen sichergestellt.
Am 14.06.1938 erfolgte eine Registrierung der jüdischen Gewerbebetriebe.
Mit diesen Maßnahmen wurde die wirtschaftliche Tätigkeit der
Juden erfasst, kontrolliert und schließlich zum Erliegen gebracht.
Im Bereich Bad Kreuznach und Birkenfeld gab es nur wenig mittlere Wirtschaftsunternehmen
in jüdischem Besitz. Genannt seien in Idar- Oberstein die Firma Gebr.
Stern, in Sobernheim die Firma Marum und in Bad Kreuznach das Kaufhaus
Rothschild.
Die Pogrome im Landkreis Birkenfeld
Zentral befohlen und gelenkt wurden die Aktionen von dem Kreisleiter Diedenhofen aus Idar-Oberstein. Die Ausschreitungen unter seiner Regie richteten sich im Wesentlichen gegen die Synagogengemeinden Idar-Oberstein, Hoppstädten, Bosen und Sötern. Die Befehle für die Räume Grumbach und Sien gingen zwar auch von Diedenhofen aus, ihre Befolgung geschah aber weniger konzentrisch.
In Gemeinden mit einzelnen jüdischen Familien blieben die Nachstellungen aus oder wurden in abgeminderter Form", wie dem Einwerfen der Fensterscheiben in Birkenfeld, durchgeführt.
Die jüdische Bevölkerung im Landkreis Birkenfeld
Die Entwicklung der Einwohnerzahlen
Genauere Zahlen über den Anteil der jüdischen Bevölkerung
in den Gemeinden des Landkreises Birkenfeld besitzen wir seit dem Jahre
1808. Die folgende Aufstellung basiert auf der Volkszählung in den
linksrheinischen Departments (Mai - Juli
1808). Es sind die Gemeinden aufgeführt, die ehemals zum Landkreis
Birkenfeld gehörten bzw. jetzt dazugehören.
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| Baumholder |
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Kappeln |
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| Birkenfeld |
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Kirchenbollenbach |
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| Bosen |
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Nahbollenbach |
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| Bundenbach |
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Niedereisenbach |
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| Burglichtenberg |
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Oberreidenbach |
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| Ellweiler |
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Oberstein |
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| Gonnesweiler |
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Offenbach/ Glan |
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| Grumbach |
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Rhaunen |
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| Haupersweiler |
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Schmidthachenbach |
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| Heimbach/Nahe |
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Sien |
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| Hellertshausen |
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Sienhachenbach |
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| Hoppstädten bei Sien |
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Sötern |
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Stipshausen |
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| Hottenbach |
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Weierbach |
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| Idar | 24 Weitersbach |
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| insgesamt |
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Auswanderungen
Idar-Oberstein
Bei der Volkszählung am 16. Juni 1933 wurden in der Stadt Idar-Oberstein 129 Juden gezählt. Eine Differenzierung nach Rassenjuden und Glaubensjuden fand nicht statt. Am 17. Mai 1939 lebten in Idar-Oberstein nur noch 61 Juden (35 Juden, 12 Mischlinge erstens Grades und 14 Mischlinge zweiten Grades). Von 1933 bis 1939 hatten also die Hälfte der Juden Idar- Oberstein verlassen.
Die Zahl der Auswanderer stieg nach Verabschiedung der Nürnberger
Gesetze bis zum Kriegsbeginn stetig an.
| Jahr | Auswanderungen |
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Auswanderungsländer waren im Wesentlichen: Frankreich, USA, Palästina, Niederlande, England, Schweiz, Brasilien.
Ab dem Jahre 1935 setzte auch eine stärkere Abwanderung - rund 30 Personen - in das übliche Reichsgebiet ein, vor allem in größeren Städten wie Frankfurt, Berlin und Köln. M erhoffte sich in der Großstadt mehr Schutz.
Jüdische Opfer des Nationalsozialismus im Landkreis Birkenfeld
Abentheuer:
| Name | Geburtstag | Todestag | Deportations-ziel |
| Kahn, Helene | 05.08.1864 | verschollen Auschwitz | |
Baumholder:
| Name | Geburtstag | Todestag | Deportationsziel |
| Oppenheimer, Juliane 22. 02. 1869 für tot erklärt Auschwitz | |||
Bosen:
| Name | Geburtstag | Todestag | Deportationsziel |
| Baum, Felix | 07. 08. 1874 | 05. 10. 1942 | Theresienstadt |
| Baum, Sara | 25. 12. 1870 | 24. 09. 1942 | Theresienstadt |
| Gottlieb, Ernst | 03. 11.1905 | für tot erklärt | Sobibor |
| Lion, Artur | 18. 10. 1904 | verschollen | unbekannt |
| Wolff, Ferdinand | 09. 12. 1882 | 20. 07. 1943 | Theresienstadt |
Hoppstädten:
| Name |
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| Cohn, Elli |
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Auschwitz |
| Frank, Sally |
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Auschwitz |
| Frank, David |
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Minsk |
| Frank, Karoline |
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Minsk |
| Katzenberg, Qttilie |
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Minsk |
| Levy, Leo |
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|
unbekannt |
Hottenbach:
| Name | Geburtstag |
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04. 011.1945 Flossenbürg |
Idar- Oberstein:
| Name |
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Todestag |
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| Baer, Franziska | 26. 01.1883 |
|
Minsk |
| Hirsch, Jenny | 26.01.1883 |
|
unbekannt |
| Levy, Rosalie | 04. 08. 1873 |
|
Minsk |
| Stein, Ernst | 28. 03. 1877 |
|
Osten |
| van Beets, Philipp G. | 21. 06. 1918 |
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Sobibor |
| Wolff, lda | 24. 07. 1880 |
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Zamose |
Nahbollenbach:
| Name | Geburtsdatum | Todesdatum | Deportationsziel |
| Katzenstein, Ernst | 25.03.1912 | für tot erklärt | Sobibor |
| Katzenstein, Helene | 28.10.1913 | für tot erklärt | Auschwitz |
| Katzenstein, Ida | 20.10.1897 | für tot erklärt | Sobibor |
| Katzenstein, Siegfried | 40.05.1886 | für tot erklärt | Sobibor |
Rhaunen:
| Name | Geburtsdatum | Todesdatum | Deportationsziel |
| Ermann, Frieda | 13.05.1895 | verschollen | Bergen-Belzen |
| Ermann, Gerda | 02.06.1902 | 01.11.1941 | Litzmannstadt |
| Frenkel, Jeanette | 11.10.1874 | für tot erklärt | Theresienstadt |
| Frenkel, Moritz | 05.09.1875 | für tot erklärt | Auschwitz |
Sötern:
| Name | Geburtsdatum | Todesdatum | Deportationsziel |
| Heymann, Isaak | 12.01.1870 | verschollen | Minsk |
| Hirsch, Ida | 10.20.1899 | für tot erklärt | unbekannt |
| Levi, Rosalie | 15.04.1873 | verschollen | Minsk |
| Wolf, Werner | 19.01.1922 | 14.11.1942 | Dachau |
Judenverfolgungim Landkreis Birkenfeld
Reichskristallnacht in Deutschland: Was war es und warum?
In der Nacht zum 10. November 1938 wurde von der NSDAP eine Racheaktion für den Mord an dem Legationssekretär Ernst von Rath in Paris durch einen Juden, organisiert von der SA, der NSKK und auch von der NSDAP in Zivil durchgeführt. Dabei wurden 100 Synagogen in Brand gesetzt, 7500 jüdische Geschäfte demoliert, 26000 Juden festgenommen. Dies bezeichnen wir heute als Reichskristallnacht.
Reichskristallnacht im Landkreis Birkenfeld
am Beispiel Idar-Oberstein: 10.11.1938 zwischen 2 -3 Uhr
NSDAP-Kreisleiter Diedenhofen wird von der Gauleitung mitgeteilt, er
habe Judenprogrome durchzuführen.
Parteimitglieder, die SA unter der Führung des Obersturmführers
Maaß sowie die NSKK unter Anführer Robinson zerstörten
in Oberstein und Idar jüdische Geschäfte und Häuser.
Einige Beispiele:
Während sich der für die Metzgerei Bür zuständige
Einsatztrupp damit begnügte, Fensterscheiben einzuwerfen, kam es im
Haus des Edelsteinhändlers Max Aronheim zu erheblichen Personen -
und
Sachschäden. Die Tochter Aronheims wurde mit Latten heftig verprügelt
und zog sich einen Schlüsselbeinbruch sowie mehrere Rippenbrüche
zu. Eine Dogge- offenbar bemüht die Eindringlinge abzuwehren -
wurde
so stark verletzt, dass sie noch am selben Tag erschossen werden musste.
Rolladen, Fenster, Türen, Bürogegenstände, Möbel, Teppiche
und Olgemälde wurden zerschlagen bzw. zerschnitten. Dennoch sah die
von Frau Aronheim verständigte Polizei keinen Grund zum Eingreifen.
Der 7ojährige Jude Neuhäuser -
wegen
seines Alters von der ,,Schutzhaft" verschohnt geblieben
-
hatte
barbarische Quälereien zu ertragen. Mit einem Stock schlug man dem
kaum bekleideten Greis zunächst auf das Glied, dann gab man ihm einen
Koffer und forderte ihn unter Schlägen und Tritten auf nach Palästina
zu reisen. An Kopf und Armen blutend suchte der Mann in einem Hühnerstall
Zuflucht. Sachschäden in Höhe von etwa 100000 RM wurden im Haus
des Dr. Levi angerichtet. Dr. Levi war, nachdem ihm die Nationalsozialisten
mit Wirkung vom 01.10.1938 die Ausübung seines Berufes in Idar untersagt
hatte, nach Bonn gezogen. Seine Wohnungs- und Praxiseinrichtung hatte er
aber zurückgelassen. Die Zusammenstellung eines Rollkommandos für
Dr. Levis Wohnung war anfänglich auf Schwierigkeiten gestoßen,
denn der jüdische Arzt erfreute sich selbst unter Anhängern des
Naziregimes großer Beliebtheit. Letztlich fand sich jedoch ein Trupp,
der nicht nur die gesamten Praxisräume, Möbel, Porzellan, Spiegel,
Bilder und anderen Hausrat zerstört, sondern zudem Perserbrucken,
Teile der ärztlichen Bibliothek, ein Radiogerät, eine goldene
Uhr und die Levische Edelsteinsammlung stahl und sich damit über das
ausdrücklich ergangene Plünderungsverbot hinwegsetzte. Die Juden
Neuhäuser, Burg und die Tochter Aronheimers mussten wegen ihrer schweren
Verletzungen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Als der um Behandlung
gebetene Arzt Dr. Schmidt, den Kreis-leiter Diedenhofen fragte, ob Bedenken
gegen eine ärztliche Betreuung bestünden, warnte Diedenhofen,
die Behandlung könne Schmidt ,,Kopf und Kragen kosten" und im Übrigen
gebe es in dieser Frage keinen menschlichen Standpunkt.
Obwohl die Truppen teilweise erst um 7 Uhr aufbrachen, kümmerten sich nur wenige Passanten um die Unruhen, den anderen wurde geraten ,,Fenster zu, es wird geschossen Obwohl in Idar die Synagoge brannte, löschte man sie erst, als ,,deutsche" Häuser durch den Brand gefährdet wurden.
Zwei Tage später verlangte zynischerweise eine Verordnung ,,zur Wiederherstellung des Straßenbildes": Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland am 8., 9. und 10.11.1938 Gewerbebetriebe und Wohnungen entstanden sind, sind vom jüdischen Inhaber sofort zu beseitigen. Die Kosten trägt der Inhaber ... Versicherungsansprüche von Juden deutscher Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reiches beschlagnahmt. 1950 wurden 29 der 50 Beteiligten der Obersteiner ,,Reichskristallnacht" angeklagt und 19 erstinstanzlich zu Freiheitsstrafen zwischen 7 Monaten und 3 Jahren verurteilt.
3. Jüdische Friedhöfe und Synagogen in der Umgebung
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Synagoge |
| Hoppstädten Idar-Oberstein | Hoppstädten (heute Wohnhaus) Idar-Oberstein (zerstört) |
| Birkenfeld | Birkenfeld (zerstört) |
| Blieskastel | Blieskastel |
| Dillingen | Dillingen |
| Homburg | Homburg |
| lllingen | lllingen |
| Merzig | Merzig |
| Neunkirchen | Neunkirchen |
| Ottweiler | Ottweiler |
| Saarbrücken (2) | Saarbrücken |
| Saarlouis | Saarlouis |
| Saarwellingen | Saarwellingen |
| Sötern | Sötern |
| St. Wendel | St. Wendel |
| Tholey | |
| Gonnesweiler Bosen | |
Interview mit einer ehemaligen
Bewohnerin aus Reichenbach (*1929) und
einem Bewohner aus Ruschberg
(*1923)
Gab es in deinem Ort jüdische Familien, Geschäfte, Ärzte...?
Nein, weder in Ruschberg noch in Reichenbach. In Baumholder gab es aber viele
Juden und auch viele Geschäfte. Aber welche genau kann ich nicht sagen.
Gab es eine Synagoge? Wenn ja, wo stand sie?
Nein, es gab keine Synagogen in Ruschberg oder in Reichenbach.
In Hoppstädten gab es mal eine.
Was habt ihr über die Reichskristallnacht erfahren? Wie haben Eltern, Großeltern und Lehrer davon gesprochen?
Wir haben erst viel später etwas darüber erfahren. Es wurde erzählt, dass in den Großstädten, vor allem um München, jüdische Geschäfte geplündert und angezündet wurden.
Ist etwas über das Schicksal der ehemaligen jüdischen Bewohner bekannt?
Die reichen Juden wanderten nach Amerika aus und die armen waren auf einmal verschwunden. Man sagte, dass sie nachts abgeholt und weggeschafft wurden. Wo sie hinkamen und was mit ihnen passiert war, erfuhr man erst gegen Ende des Krieges.
Gab es Menschen im Ort, die ihnen halfen?
Nein, man wollte ja sein eigenes Leben nicht in Gefahr bringen. Wer ihnen half kam auch in ein KZ. So ging es dem Dickenschieder Pfarrer Paul Schneider. Er wollte den Juden helfen und wurde daraufhin in einem KZ umgebracht.
Gibt es eine Gedenktafel, die an die Geschehnisse jener Zeit erinnert?Was sagt verschweigen sie?
Nein. In Idar-Oberstein gibt es aber welche.
Wie steht ihr dazu, wenn jemand sagt: ,,Das geht uns heute nichts mehr an?
Nach dem Krieg hörte man, dass die Juden aus den KZs befreit wurden. Das war das erste Mal, dass man überhaupt etwas über KZs hörte und man fragte sich, ob man das nicht anders hätte regeln können. Es musste doch nicht sein, dass man all die Menschen umgebracht hat.
Was müsste geschehen, dass so etwas nicht noch einmal geschieht?
Alle Menschen müssten einig werden, alle. Alle Religionen und alle Kirchen.
Was haben Christen mit diesen Ereignissen zu tun? Wie sollten Christen und Juden heute miteinander umgehen?
Heute sollten Juden und Christen miteinander umgehen, wie normale Menschen. Eben friedlich.
Was haltet ihr davon, dass der Papst erst kürzlich dort unten war und sich für alles entschuldigt hat?
Es ist richtig, dass er sich entschuldigt hat, wenn es auch etwas spät ist. Aber besser spät als nie. Ich möchte wissen, weshalb die Juden auf dem größten Teil der Welt verhasst sind.
Gab oder gibt es in eurem Ort neonazistische Schmierereien?
Nein.
Leben in eurem Ort oder eurer Umgebung noch Juden?
Nein.
Wo gibt es heute noch Minderheiten oder Unterdrückte, für die man eintreten sollte?
In der ganzen Welt gibt es Unterdrückte. In Afrika ist es zur Zeit
besonders schlimm.
Interview mit einer ehemaligen Bewohnerin aus Baumholder (* 1923)
Gab es in deinem Ort jüdische Familien, Geschäfte, Ärzte?
Ja, da gab es einige, wie z.B. ein Hutgeschäft, die Metzgerei Oppenheimer, die Manufaktur Oppenheimer, die später von Herrn Meffert übernommen wurde, die Viehhändler Salli und Leib sowie ein Eisenwarengeschäft. Ab Hitler durfte man dort aber nicht mehr einkaufen. Vorher haben Juden und auch Deutsche in diesen Geschäften eingekauft.
Gab es eine Synagoge? Wo stand sie?
Nein, es gab kein Synagoge in Baumholder.
Was hast du über die ,,Reichskristallnacht" erfahren? Wie haben Eltern, Großeltern und Lehrer davon gesprochen?
Es wurde erzählt, dass Judengeschäfte und Synagogen geplündert und angezündet wurden. In Baumholder passierte aber nichts.
Ist etwas über das Schicksal der ehemaligen jüdischen Bewohner bekannt?
Nein und darüber hatte man sich auch keine Gedanken gemacht. Man wusste nur, dass die Juden abgeholt wurden.
Gab es Menschen im Ort, die ihnen halfen?
Nein, wenn man ihnen half kam man ja auch in ein KZ. Man wollte sein eigenes Leben nicht unnötig in Gefahr bringen. Der Dickenschieder Pfarrer Paul Schneider wollte ihnen helfen und wurde in einem KZ umgebracht.
Gibt es eine Gedenktafel, die an die Geschehnisse jener Zeit erinnert?Was sagt verschweigt sie?
Nein, es gibt keine Gedenktafeln.
Wie stehst du dazu, wenn jemand sagt: ,,Das geht uns heute nichts mehr an?
Ich frage mich heute, weshalb man sie nicht am Leben ließ. Hitler wollte eine reine Rasse. Es hätte doch durchaus genügt, wenn man das Heiraten zwischen Juden und Deutschen verboten hätte. Dann hätte er ja auch eine reine Rasse bekommen.
Was müsste geschehen, dass so etwas nicht noch einmal geschieht?
Juden und Christen müssten sich vertragen und in Frieden miteinander leben.
Gab oder gibt es in eurem Ort neonazistische Schmierereien?
Nein.
Leben in eurem Ort oder eurer Umgebung noch Juden?
In Baumholder gibt es noch jüdische Barbesitzer.
Wo gibt es heute Minderheiten oder Unterdrückte, für die man eintreten sollte?
Keine Ahnung, bei uns schon mal nicht.
Der Lebensweg des Dickenschieder
evangelischen Pfarrers Paul Schneider

2. 1915 Abitur, Kriegsfreiwilliger, Studium
3. 1922 1. Examen, Vikar (Amtsvertreter der Kirche)
4. 1923 2. Examen, Mitwirkung in Berlin und Essen
5. 1926 1. Pfarrstelle - Westerland
6. 1933/ 34 NSDAP Arbeitsverbot
7. 1934 Versetzung in den Hunsrück
8. 1937 Ausweisung aus dem Rheinland
3.10.1937 letzte Verhaftung, Gestapo (Gefängnis in Koblenz)
27.11.1937 Einlieferung in das KZ Buchenwald (Thüringer Wald)
9. Im Mai 1938 - Juli 1939 Einzelhaft
im KZ Buchenwald
NAHE-ZEITUNG Nr. 200 – Freitag, 29. August 1997
Gedenken an Pfarrer Paul Schneider
Als ,,Prediger von Buchenwald" ging Paul Schneider in die Geschichte
ein. Der protestantische Märtyrer des 20. Jahrhunderts wurde vor 100
Jahren in Pferdsfeld als Pfarrerssohn geboren und 1939 von den Nazis im
KZ ermordet. Än den Pfarrer erinnern zahlreiche nach ihm benannte
Einrichtungen
Texte: Markus Michel
Fotos: Privat
Bekennende Kirche
Adolf Hitler machte sich bei den Kirchenwahlen 1933 für die Ziele
der Deutschen Christen (DC) stark. Diese traten für ein "völkisch-nationalkirchliches"
Christentum ein und sollten. die Gleichschaltung der evangelischen Kirchen
vorantreiben Bald setzten sie den "kirch1ichen Arierparagraphen" durch
Kirchenbeamte und Pfarrer. jüdischer Abstammung sollten entlassen
werden. Daraufhin gründete Martin Niemöller den Pfarrernotbund,
aus dem 1934 die Bekennende Kirche (BK) hervorging. Sie richtete sich gegen
die offen mit dem Nationalsozialismus paktierenden Deutschen Christen wie
gegen eine indifferente Haltung. Die Bekennende Kirche formulierte ihre
theologischen Grundsätze in der Barmer Theologischen Erklärung
auf der Barmer Bekenntnissynode; (29. bis 31 Mai 1934). Die BK bildete
einen Reichsbruderrat und Landesbruderräte, die die Funktion der Kirchenleitung
übernahmen
Paul Schneider mit seiner Ehefrau Margarethe und fünf seiner Kinder.
Bei der Taufe seines sechsten Kindes war er bereits inhaftiert.
Paul Schneider brachte die Volksseele zum Kochen

Marschmusik erklingt, das Hakenkreuz prangt von etlichen Fahnen. Die
SA steht Spalier, HJ und BDM sind aufmarschiert, Männer des Arbeitsdienstes
präsentieren ihre blitzenden Spaten. Die Partei inszeniert sich. Dennoch
ist es keine Parteiveranstaltung, die all die Uniformierten antreten ließ,
sondern die Beerdigung eines Angehörigen der HJ. In seiner Rede versetzt
der Kreisleiter der NSDAP den Verstorbenen in den himmlischen Sturm Horst
Wessels; da wird es dem Pfarrer zuviel: "Ob es einen Sturm Horst Wessels
in der Ewigkeit gibt, weiß ich nicht. Aber Gott der Herr segne deinen
Ausgang aus der Zeit und deinen Eingang in die Ewigkeit." Der Zurechtgewiesene
tritt erneut vor. ,,Kamerad, du bist tatsächlich in den Sturm Horst
Wessels hinübergegangen" bekräftigt er. Der Pfarrer kontert:
"Ich protestiere. Dies ist eine kirchliche Feier, und ich bin als Pfarrer
für die reine Lehre der Heiligen Schrift verantwortlich."
Der energische Pfarrer heißt Paul Schneider. Wenige Wochen zuvor
ist er auf den Hunsrück strafversetz worden. Grund: Er hatte in seiner
alten Gemeinde gegen moralfeindliche Äußerungen einer NS-Größe
protestiert, später eine Erklärung des Pfarrernotbundes (siehe
Stichwort) von der Kanzel verlesen. Das nazi-freundliche Konsistorium betrieb
daraufhin seine Versetzung.
Der Vorfall bei der Beerdigung im Juni 1934 ist sein erster Konflikt
mit der Partei auf dem Hunsrück. Wenige Tage später wird er festgenommen.
Die offizielle Begründung: »Vor der kochenden Volksseele in
Schutzhaft genommen". Die kocht in der Tat. Aber wegen der Verhaftung des
Pfarrers. Einige SA-Leute aus der Gemeinde drohen mit Austritt, falls ihr
Pfarrer nicht freige-lassen werde. Die Proteste seiner Gemeinde und solidarischer
Kollegen verhalfen ihm, nach sechs Tagen wieder in die Freiheit.
Paul Schneider; dem es vor allem um, die Wahrheit des Evangeliums ging,
führte seinen konsequenten Weg fort. Im Frühjahr 1935 verliest
er trotz staatlichen Verbots eine -Verlautbarung der Bekennenden Kirche
-(siehe Stichwort), was ihm wiederum eine Verhaftung einbringt. Im Herbst
weigert er sich, den "deutschen Gruß", im Konfirmandenunterricht
zu gebrauchen. Die Reichswahlen 1936 boykottiert er, da auf den Wahlzetteln
nur ein ,,Ja" für die NSDAP steht. Am nächsten Morgen stand in
großen Buchstaben am Pfarrhaus: "Er hat nicht gewählt. Vaterland??
Volk, was sagst du dazu??!!" Das Volk bleibt stumm. Stattdessen rückt
die Gemeinde Sonntag morgens unaufgefordert mit Besen und Schrubbern an
und entfernt die Schmiererei.
Seine Gegner, die teils auch in der Gemeinde Dickenschied-Womrath leben,
registrieren alles genau. Im Winter 1935/36 wird Schneider zwölfmal
denunziert und angezeigt, zu einem Gerichtsverfahren kommt es aber nicht.
Der Konflikt eskaliert, als Pfarrer und Gemeinderat im Februar 1937 in
einem Kirchen-zuchtsverfahren , offensiv gegen die Gegner vorgehen. Die
Angelegenheit geht bis ,Berlin: Als persönlichen Gefangenen Hitlers
nimmt die Gestapo Paul Schneider am 31. März 1937 in Dickenschied
fest: Häftling Nummer 2491.
Trotz intensiver Bemühungen seiner Gemeinde, der Kollegen und der Bekennenden Kirche kommt Schneider zunächst nicht frei. Erst im Juli wird er entlassen — ohne Gerichtsverfahren. Dennoch wird er aus dem, Rheinland ausgewiesen. Obwohl ihn Freunde ,und Bekannte drängen, nimmt Schneider die Ausweisung nicht an "ohne Rechtsgrund greift die Ausweisung erheblich in das Leben von Kirche und Gemeinde ein.‘ Sie reißt Pfarrer und Gemeinde auseinander, die vor Gott ,feierlich zueinander gewiesen sind"‘ schreibt er an die Reichskanzlei.
Zum Erntedankgottesdienst kehrt Schneider in ,seine Gemeinde zurück. In Dickenschied hält er noch seine Predigt, auf dem Weg nach Womrath wartet schon die Polizei. Auch in Gestapo-Haft nimmt er die Ausweisung nicht an. Schließlich wird er als Häftling 2491 ins KZ Bu-chenwald verschleppt. Von seinen Mitgefangenen wird er wegen seiner Solidarität und Menschlichkeit, sowie seiner Glaubensstärke hoch geachtet. Am 20. April 1938, weigert er sich die Hakenkreuzflagge, das Symbol der antichristlichen Diktatur, zu grüßen. Er wird in den ,,Bunker" gesteckt, vom berüchtigten SS-Mann Sommer gefoltert. Durch die Gitterstäbe seiner Zelle predigt er laut den Gefangenen auf dem Apellplatz, ruft ihnen Namen von Gefangenen zu, die in der Folter starben - bis er selbst unter den Schlägen seiner - Peiniger verstummt. Am 19. Juli 1939 wird Paul Schneider mit einer Überdosis Strophantin ermordet.
,,Die Stimmung in Dickenschied ist sehr ernst"

Eine Zeitzeugin berichtet von der Todesnachricht und der Beerdigung Paul Schneiders. Betroffenheit spiegelt sich in den Gesichtern der Presbyter die Paul Schneiders Sarg zum Friedhof tragen.
Der plötzliche Tod von Paul Schneider traf nicht nur seine Gemeinde
in Dickenschied-Womrath schwer. Maria Elisabetha Glasmann, Witwe des früheren
Dorflehrers von Dickenschied schreibt in einem Brief vom 25. Juli 1939:
,,Am Dienstag, dem 18. Juli kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel gegen
Abend eine Depesche ins Pfarrhaus aus dem Lager (Buchenwald) Ihr Mann ist
heute morgen 10 40 Uhr gestprben. Teilen Sie mit, binnen 24 Stunden, ob
er überführt werden soll, sonst wird er eingeaschert ,Du kannst
Dir denken, was das war. Ich ging auch bald herauf zu Frau Pfarrer Schneider.
Da gab es kern Besinnen! Sogleich schickte sie ein Telegramm hin: ,Er wird
überführt (...).
Nun hatten sie hier in der Kirche den Altarraum mit Lorbeerbäumen
und weißen Lilien schön geschmückt dort sollte der Sarg
niedergestellt wcrden. Um halb zehn Uhr riefen sie von Mainz aus an, um
halb zwölf kämen sie hier an. Die Gemeinden Dickenschied und
Wohmrath waren in der Kirche versammelt. Als sie nun mit der Leiche
bis Simmern gekommen waren, kam die Polizei; da mußten sie den Sarg
bis zur Bestattung in der Leichenhalle in Simmern abstellen. Nun kamen
sie ohne den Sarg hier und die Leute verließen still das Gotteshaus.
Am Freitagmittag um ein Uhrkam der siebenfach versiegelte Sarg hier an und stand noch eine Stuiide iih Altarraum, während dort für die Angehörigen und die Gemeinde eine kleine Feier war. Dann ging ein unendlicher Zug zum Friedhof; Als die ersten an der Friedhofspforte wa ren, gingen die letzten noch ganz oben im Dorf. 150 Pfärrer imTalar und 30 ohne aus ällen deutschen Gauen waren herbeigeeilt, und Menschen ohne Zahl. Pfarrer Schlingensiepen und Pfarrer Lutze aus Barmen (früher in Kleinich) hielten auf dem Friedhof die An-sprachen, 30 sprachen noch kurz; die anderen konnten nicht mehr, es wäre sonst Abend geworden: In Piroths Saal wurde der Kaffee getrunken. Das halbe Dorf stand voller Autos.(...)
Als Mensch und als Seelsorger tut mir Pfarrer Schneider furchtbar leid. Daß man einen Mann, der jetzt doch still und stumm ist, in seinem Sarg noch ,versiegelt heimkehren läßt! Die .Stimmung hier ist sehr ernst."
,Aus: Walter Göhl Was mein einst war. Der Lebensabend der Maria
Elisabetha Glasmann in Briefen, Berichten und Bildern, Bad Kreuznach: Pandion
1996.